16.04.2020

Einfach mal anfangen

einfach-mal-anfangen

Wer seine Ziele erreichen will, muss „einfach machen“. Die Welt ist voller toller Ideen und Pläne. Und gerade am Anfang, wenn die Idee noch neu ist, möchte man doch gleich loslegen. Eine neue berufliche Aufgabe, ein neues Hobby, ein neues Projekt und wir können die ersten Ergebnisse und Erlebnisse gar nicht erwarten. Und dann? Wir fangen an zu planen und zu optimieren. Was brauche ich, um die Aufgabe angemessen zu erfüllen? Brauche ich mehr Wissen? Teure Ausrüstung? Muss ich mir eine Motivationscollage malen? Ehe man sich umschaut ist der erste Zauber verflogen und vor lauter Plan macht es gar keinen Spaß mehr.

Kinder sind da anders. Sie überlegen nicht lange. Hast Du schon mal ein Kind beobachtet, das ein neues Spiel entdeckt hat oder einen Jugendlichen, der eine neue Sportart ausprobiert? Sogar ein Instrument probieren die Jüngeren erst einmal spielerisch aus, bevor es ans Notenlernen geht. Warum tun wir Erwachsenen uns so schwer, diesen Zauber des Anfangs auszukosten?

 

Geschützte Räume für die ersten Gehversuche

Kaum ein Erwachsener kann so unbefangen wie ein Kind agieren. Vor allem dann nicht, wenn er sich in der neuen Situation nicht sicher fühlt. Es gibt noch keine Routinen. Wir kennen unsere Wirkung in dieser neuen Rolle noch nicht. Und keiner will sich ungeschützt fremdem Spott aussetzen. Das mag auch der Grund sein, warum die älteren Erwachsenen sich in Sozialen Netzwerke so viel schwerer tun als die „Digital Natives“. Was im Internet ist, bleibt da. Wer meinen Namen googelt, kann wenn er sehr tief gräbt bestimmt auch ein paar peinliche Einträge zutage fördern ?

Alles, was wir als Kinder schon einmal ausprobiert haben, fällt uns leichter. Das sind eben nicht die ersten Gehversuche, sonder schon erprobte Schritte. Das Leben erfordert heutzutage, dass wir uns immer wieder auf neue Situationen einstellen. Und da sind es die ersten Gehversuche, die wir am liebsten vor aller Welt geheim halten. Wir brauchen „geschützte Räume“ um uns auszuprobieren. Ein Seminar unter Gleichgesinnten kann so ein geschützter Raum sein. Oder die Kopfhörer an meinem elektronischen Klavier, wenn ich ein neues Stück üben muss, bis ich es meiner Familie vorspielen mag.
Als ich vor Jahren anfing, Akupunktur zu lernen, hatte kaum einer der Anwesenden Kursteilnehmer sich näher mit der Praxis beschäftigt. Unsere Dozenten ließen uns vom ersten Tag an gegenseitig „nadeln“. Das senkte die Hemmschwelle zumindest so weit, dass ich danach meine Familie mit den Nadeln beglückte, ein wenig später auch meine Patienten.

 

Planung und Perfektionismus

Gerade im professionellen Kontext möchten wir möglichst gut vorbereitet wirken. Wir Frauen neigen besonders zum Perfektionismus und das führt zu erheblichem Planungsaufwand.
Bevor ich meinen ersten Akupunkturpatienten einbestellte, hatte ich Checklisten zusammengestellt, was ich alles fragen wollte und mit die wichtigsten Punkte notiert, die es möglicherweise zu nadeln gab. Dabei kann ich noch nicht einmal die Krankengeschichte. Ich war wahnsinnig aufgeregt und habe bestimmt nicht die optimale Behandlung geliefert, aber mein Patient kam wieder und mit der Zeit wurde ich besser.

Wenn man zu lange zögert, weil die Vorbereitung noch nicht perfekt genug ist, steigen unsere Ansprüche gleichermaßen. Wir werden niemals einen Stand erreichen, der uns 100%ig zufrieden stellt, weil es eben an der praktischen Erfahrung fehlt. Fehlen muss, denn woher sollte die kommen, wenn man nicht ins Handeln kommt?

 

Der erste Schritt

Unser Gehirn arbeitet gern energiesparend. Deshalb ist es auch dauernd auf der Suche nach Abkürzungen und Routinen. Jede Änderung wird hinterfragt. Das weiß jeder, der schon mal eine alte Angewohnheit durch eine neue ersetzen wollte. „Ab morgen gehe ich jeden Tag laufen“, ist so ein Beispiel. Und da wird es schon vor dem ersten Mal schwierig. Habe ich meine alten Laufschuhe noch oder brauche ich neue? Wie ist das Wetter? Jetzt habe ich gerade gut gefrühstückt…?

Anreden über Ausreden erschweren den gutgemeinten Anfang. Wir müssen unserem Gehirn ein (kleines) Zeichen setzen, dass wir es ernst meinen mit dem neuen Verhalten. Ist der erste Schritt getan, fällt der zweite leichter ? Was auch immer es war, das Dich zum Lesen dieses Artikels motiviert hat. Welches Vorhaben bei Dir nicht in Schwung kommt. Egal: Fang mit irgendetwas an und mach dann weiter. Du schaffst das!

Autor: Dr. Angelika Eule

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16.04.2020

Einfach mal anfangen

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Wer seine Ziele erreichen will, muss „einfach machen“. Die Welt ist voller toller Ideen und Pläne. Und gerade am Anfang, wenn die Idee noch neu ist, möchte man doch gleich loslegen. Eine neue berufliche Aufgabe, ein neues Hobby, ein neues Projekt und wir können die ersten Ergebnisse und Erlebnisse gar nicht erwarten. Und dann? Wir fangen an zu planen und zu optimieren. Was brauche ich, um die Aufgabe angemessen zu erfüllen? Brauche ich mehr Wissen? Teure Ausrüstung? Muss ich mir eine Motivationscollage malen? Ehe man sich umschaut ist der erste Zauber verflogen und vor lauter Plan macht es gar keinen Spaß mehr.

Kinder sind da anders. Sie überlegen nicht lange. Hast Du schon mal ein Kind beobachtet, das ein neues Spiel entdeckt hat oder einen Jugendlichen, der eine neue Sportart ausprobiert? Sogar ein Instrument probieren die Jüngeren erst einmal spielerisch aus, bevor es ans Notenlernen geht. Warum tun wir Erwachsenen uns so schwer, diesen Zauber des Anfangs auszukosten?

 

Geschützte Räume für die ersten Gehversuche

Kaum ein Erwachsener kann so unbefangen wie ein Kind agieren. Vor allem dann nicht, wenn er sich in der neuen Situation nicht sicher fühlt. Es gibt noch keine Routinen. Wir kennen unsere Wirkung in dieser neuen Rolle noch nicht. Und keiner will sich ungeschützt fremdem Spott aussetzen. Das mag auch der Grund sein, warum die älteren Erwachsenen sich in Sozialen Netzwerke so viel schwerer tun als die „Digital Natives“. Was im Internet ist, bleibt da. Wer meinen Namen googelt, kann wenn er sehr tief gräbt bestimmt auch ein paar peinliche Einträge zutage fördern ?

Alles, was wir als Kinder schon einmal ausprobiert haben, fällt uns leichter. Das sind eben nicht die ersten Gehversuche, sonder schon erprobte Schritte. Das Leben erfordert heutzutage, dass wir uns immer wieder auf neue Situationen einstellen. Und da sind es die ersten Gehversuche, die wir am liebsten vor aller Welt geheim halten. Wir brauchen „geschützte Räume“ um uns auszuprobieren. Ein Seminar unter Gleichgesinnten kann so ein geschützter Raum sein. Oder die Kopfhörer an meinem elektronischen Klavier, wenn ich ein neues Stück üben muss, bis ich es meiner Familie vorspielen mag.
Als ich vor Jahren anfing, Akupunktur zu lernen, hatte kaum einer der Anwesenden Kursteilnehmer sich näher mit der Praxis beschäftigt. Unsere Dozenten ließen uns vom ersten Tag an gegenseitig „nadeln“. Das senkte die Hemmschwelle zumindest so weit, dass ich danach meine Familie mit den Nadeln beglückte, ein wenig später auch meine Patienten.

 

Planung und Perfektionismus

Gerade im professionellen Kontext möchten wir möglichst gut vorbereitet wirken. Wir Frauen neigen besonders zum Perfektionismus und das führt zu erheblichem Planungsaufwand.
Bevor ich meinen ersten Akupunkturpatienten einbestellte, hatte ich Checklisten zusammengestellt, was ich alles fragen wollte und mit die wichtigsten Punkte notiert, die es möglicherweise zu nadeln gab. Dabei kann ich noch nicht einmal die Krankengeschichte. Ich war wahnsinnig aufgeregt und habe bestimmt nicht die optimale Behandlung geliefert, aber mein Patient kam wieder und mit der Zeit wurde ich besser.

Wenn man zu lange zögert, weil die Vorbereitung noch nicht perfekt genug ist, steigen unsere Ansprüche gleichermaßen. Wir werden niemals einen Stand erreichen, der uns 100%ig zufrieden stellt, weil es eben an der praktischen Erfahrung fehlt. Fehlen muss, denn woher sollte die kommen, wenn man nicht ins Handeln kommt?

 

Der erste Schritt

Unser Gehirn arbeitet gern energiesparend. Deshalb ist es auch dauernd auf der Suche nach Abkürzungen und Routinen. Jede Änderung wird hinterfragt. Das weiß jeder, der schon mal eine alte Angewohnheit durch eine neue ersetzen wollte. „Ab morgen gehe ich jeden Tag laufen“, ist so ein Beispiel. Und da wird es schon vor dem ersten Mal schwierig. Habe ich meine alten Laufschuhe noch oder brauche ich neue? Wie ist das Wetter? Jetzt habe ich gerade gut gefrühstückt…?

Anreden über Ausreden erschweren den gutgemeinten Anfang. Wir müssen unserem Gehirn ein (kleines) Zeichen setzen, dass wir es ernst meinen mit dem neuen Verhalten. Ist der erste Schritt getan, fällt der zweite leichter ? Was auch immer es war, das Dich zum Lesen dieses Artikels motiviert hat. Welches Vorhaben bei Dir nicht in Schwung kommt. Egal: Fang mit irgendetwas an und mach dann weiter. Du schaffst das!

Autor: Dr. Angelika Eule

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